Beweise dokumentieren
Autounfall: Was tun? Die richtigen Schritte und Fotos
Autounfall, was tun? Unfallstelle sichern, Polizei rufen oder nicht, die richtigen Fotos machen, Daten tauschen und den Schaden der Versicherung melden.

Autounfall, was tun? Die Reihenfolge ist immer gleich: anhalten, Unfallstelle absichern, Verletzten helfen und den Notruf 112 wählen. Danach fotografierst du Fahrzeuge, Schäden und Umgebung, tauschst Namen, Anschrift und Versicherung aus und meldest den Schaden deiner Versicherung. Die Polizei holst du bei Verletzten, Streit über den Hergang oder Unfallflucht. Ein Schuldanerkenntnis unterschreibst du am Unfallort nicht.
Wer gerade einen Unfall hatte, steht unter Schock, und genau dann gehen Dinge verloren, die später zählen: ein Zeuge, ein Kennzeichen, das Foto vom Bremsweg. Wir entwickeln bei TrustCamera eine Kamera-App für nachprüfbare Fotos und beschäftigen uns deshalb viel damit, was ein Unfallfoto beweisen kann. Hier liest du, was nach einem Autounfall zu tun ist: Schritt für Schritt, mit einer Foto-Checkliste und dem, was du als Geschädigter oder als Verursacher beachten solltest. Grundlagen zu Fotos als Beweismittel erklärt unser Ratgeber Fotos als Beweis.
Autounfall: was tun? Die Schritte in der richtigen Reihenfolge
Autounfall, was tun zuerst? Du sicherst dich und die Unfallstelle, hilfst Verletzten und rufst bei Bedarf 112. Dann dokumentierst du die Unfallstelle mit Fotos, notierst Zeugen und tauschst mit dem Unfallgegner Namen, Anschrift und Versicherung aus. Zum Schluss meldest du den Schaden deiner Versicherung und lässt Beschwerden ärztlich prüfen.
- Anhalten und absichern: Warnblinker an, Warnweste anziehen, Warndreieck aufstellen.
- Helfen und Notruf: Verletzte versorgen, 112 wählen.
- Polizei entscheiden: bei Verletzten, Streit oder Unfallflucht 110 anrufen.
- Fotografieren: Übersicht, Fahrzeuge, Schäden, Spuren, Schilder.
- Daten austauschen: Name, Anschrift, Kennzeichen, Versicherung, Zeugen.
- Unfallbericht ausfüllen: gemeinsam, aber ohne Schuldanerkenntnis.
- Versicherung informieren: so schnell wie möglich.
- Zum Arzt: auch bei leichten Beschwerden.
Diese Reihenfolge ist kein Gesetz, folgt aber den Pflichten aus der Straßenverkehrs-Ordnung und den Empfehlungen des ADAC. Wichtig ist vor allem, dass die Fotos nicht vor der Sicherheit kommen.
Unfallstelle absichern und Erste Hilfe leisten
Was du nach einem Unfall tun musst, steht in § 34 der Straßenverkehrs-Ordnung. Du musst sofort anhalten, den Verkehr sichern und dich über die Unfallfolgen vergewissern. Verletzten musst du helfen. Bei geringfügigem Schaden fährst du das Fahrzeug unverzüglich zur Seite, damit kein Folgeunfall passiert.
Der ADAC rät, Warnblinkanlage, Warnweste und Warndreieck einzusetzen und dabei unbedingt auf die eigene Sicherheit zu achten. Auf Autobahn und Landstraße heißt das: hinter die Leitplanke, nicht zwischen den Autos stehen bleiben. Erst wenn die Stelle gesichert ist und alle versorgt sind, kommt die Kamera ins Spiel.
Muss ein Fahrzeug wegen der Sicherheit sofort weg, mach vorher ein, zwei schnelle Übersichtsfotos, wenn das gefahrlos geht. Die Endposition der Autos zeigt später oft mehr über den Hergang als jede Beschreibung.

Polizei rufen: Wann es nach einem Unfall nötig ist
Nicht jeder Blechschaden braucht die Polizei. Der ADAC empfiehlt sie bei Verletzten, hohem Sachschaden, fehlender Einigung über den Hergang oder wenn der Unfallgegner sich unerlaubt entfernt hat. Bei Mietwagen und Firmenfahrzeugen kann der Vertrag die Polizei ausdrücklich verlangen. Die Polizei erreichst du unter 110, den Rettungsdienst unter 112.
Ein Unfall ohne Polizei ist bei einem klaren Bagatellschaden üblich. Dann trägt ihr selbst alles zusammen, was die Polizei sonst aufnehmen würde: Fotos, Daten, Zeugen und eine Skizze. Wenn du unsicher bist, ob der andere ehrlich mitspielt, ruf lieber an. Aus unserer Sicht machst du damit nichts falsch.
Bleib auf jeden Fall vor Ort, bis die Feststellungen möglich waren. Wer sich vorher entfernt, riskiert eine Strafe wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort nach § 142 StGB: bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe oder eine Geldstrafe. Ist niemand da, etwa beim Parkrempler, wartest du eine angemessene Zeit. Danach musst du die Feststellungen unverzüglich nachträglich ermöglichen. Verlass dich dafür nicht auf einen Zettel an der Scheibe, sondern melde dich bei der Polizei.
Unfall fotografieren: Diese Fotos brauchst du
Ein Unfall lässt sich nur einmal fotografieren, denn nach dem Abschleppen ist alles weg. Der ADAC rät, die Unfallstelle aussagekräftig zu dokumentieren, ohne den Verkehr zu gefährden. Diese Checkliste hat sich bewährt:
- Übersicht: die ganze Unfallstelle aus mehreren Richtungen, mit Straße, Kreuzung und Endposition der Fahrzeuge.
- Fahrzeuge: jedes Auto von allen vier Ecken, dazu die Kennzeichen gut lesbar.
- Schäden: jeden Schaden einmal nah und einmal mit Umgebung, damit klar ist, wo am Auto er sitzt.
- Spuren: Bremsspuren, Splitter, ausgelaufene Flüssigkeiten, Lackabrieb.
- Verkehrslage: Schilder, Ampeln, Fahrbahnmarkierungen, Sichtbehinderungen wie Hecken oder parkende Autos.
- Bedingungen: Wetter, Licht, nasse Fahrbahn, Baustellen.
Fotografiere Sachen, nicht Menschen. Bildaufnahmen, die die Hilflosigkeit einer Person zur Schau stellen oder Verstorbene in grob anstößiger Weise zeigen, sind nach § 201a StGB strafbar, wenn sie unbefugt entstehen oder weitergegeben werden. Verletzte gehören nicht in deine Beweisfotos, und Fotos davon gehören nie in einen Chat oder in soziale Medien.
Mach lieber zu viele Fotos als zu wenige, und lösch vor Ort nichts. Ein Video, in dem du einmal um die Unfallstelle gehst, ergänzt die Fotos gut, weil es die Lage im Zusammenhang zeigt. Fahrzeugpapiere, Führerschein und Versicherungskarte des Gegners fotografierst du nur mit seinem Einverständnis.
Daten austauschen und den Unfallbericht ausfüllen
Nach § 34 StVO musst du anwesenden Beteiligten sagen, dass du am Unfall beteiligt warst. Auf Verlangen gibst du Name und Anschrift an, zeigst Führerschein und Fahrzeugschein und machst Angaben zu deiner Haftpflichtversicherung. Umgekehrt darfst du das alles auch vom Unfallgegner verlangen. Notier dir zusätzlich Kennzeichen, Fahrzeugtyp, Uhrzeit und die Kontaktdaten von Zeugen.
Am einfachsten hältst du alles im Europäischen Unfallbericht fest. Den Vordruck füllt ihr laut ADAC gemeinsam aus, mit Personalien, Versicherungen, einer Skizze und Hinweisen auf die Fotos, und unterschreibt ihn. Achte darauf, dass jeder eine Ausfertigung bekommt und dass die Skizze zu deinen Fotos passt.
Was du nicht unterschreibst: ein Schuldanerkenntnis. Der ADAC rät aus versicherungsrechtlichen Gründen ausdrücklich davon ab. Beschreib den Hergang sachlich, aber sag nicht „Ich war schuld“, auch wenn du das gerade so empfindest. Wer haftet, klären die Versicherungen.
Will der andere seine Versicherung nicht nennen, reicht oft das Kennzeichen. Über den Zentralruf der Autoversicherer findest du die Kfz-Haftpflichtversicherung des Unfallgegners kostenlos heraus, in Deutschland rund um die Uhr unter 0800 250 260 0. Du brauchst dafür Kennzeichen, Unfalldatum und Unfallland.

Autounfall als Geschädigter oder als Verursacher: wer was meldet
Beim Autounfall hängt das, was zu tun ist, auch von deiner Rolle ab. Als Verursacher informierst du deine eigene Kfz-Haftpflichtversicherung, sobald der Gegner Ansprüche stellt. Der ADAC rät, sie umgehend zu verständigen. Welche Frist genau gilt, steht in deinen Versicherungsbedingungen. Den Schaden am eigenen Auto übernimmt nur eine Vollkasko, wenn du eine hast.
Als Geschädigter meldest du den Schaden bei der Haftpflichtversicherung des Unfallgegners. Informier trotzdem auch deine eigene Versicherung, damit sie Bescheid weiß, falls der Hergang später strittig wird. Deine Fotos, der Unfallbericht und die Zeugen sind jetzt deine wichtigsten Unterlagen. Schick sie vollständig und in Originalqualität, nicht als komprimierte Messenger-Bilder.
Lass gesundheitliche Beschwerden zeitnah ärztlich festhalten, auch wenn sie leicht wirken. Der ADAC weist darauf hin, dass das auch für spätere Schmerzensgeldansprüche wichtig sein kann. Bei Streit über Haftung oder Höhe des Schadens hilft eine Anwältin oder ein Anwalt für Verkehrsrecht weiter.
Unfallflucht: wenn der andere einfach wegfährt
Fährt der Unfallgegner davon, merk dir als Erstes das Kennzeichen und mach, wenn möglich, ein Foto vom wegfahrenden Auto. Notier Fahrzeugtyp, Farbe und Fahrtrichtung, solange du dich erinnerst. Sprich Zeugen sofort an, denn sie sind oft schneller weg als der Täter.
Ruf in diesem Fall immer die Polizei. Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort ist eine Straftat, und ohne Anzeige kommst du an die Daten des Gegners kaum heran. Mit dem Kennzeichen kannst du außerdem über den Zentralruf die Versicherung des Fahrzeugs ermitteln.
Bei einem Parkrempler, den du erst später bemerkst, fotografiere den Schaden sofort und dein Auto mit Umgebung, bevor du wegfährst. Frag in der Nähe nach Zeugen oder Kameras und erstatte Anzeige. Die Fotos zeigen dann, wo und wann du den Schaden entdeckt hast.
Was Unfallfotos beweisen und wo ihre Grenzen liegen
Unfallfotos zeigen, wie die Stelle aussah, als du sie fotografiert hast. Wann das war, steht in den Metadaten der Originaldatei. Ob sie verändert wurde, ist für Laien schwer zu erkennen. Messenger-Dienste und viele Plattformen entfernen Metadaten beim Versenden, deshalb hebst du immer die Originaldateien auf. Wie du Aufnahmezeit und Ort in den Daten findest, zeigt unser Ratgeber EXIF-Daten anzeigen, mehr zu Zeitangaben auf Fotos erklärt Foto mit Zeitstempel.
Dafür entwickeln wir TrustCamera: Fotos und Videos entstehen direkt in der App, Uploads aus der Galerie sind nicht möglich, und jede Aufnahme bekommt einen Prüfcode. Mit diesem Code sieht dein Gegenüber kostenlos im Browser, dass die Aufnahme seit dem Moment am Unfallort unverändert ist, wann sie entstand und ungefähr wo. Den Code schickst du dem Unfallgegner am besten gleich vor Ort, solange ihr noch beide da seid. Verfügbar ist die App noch nicht, für Android und iOS erscheint sie in Kürze.
Die Grenzen gehören dazu. Ein Prüfcode zeigt nicht, wer ein Foto gemacht hat, und er ersetzt weder die Polizei noch den Unfallbericht oder die Schadensmeldung bei der Versicherung. Er zeigt auch nicht, wer den Unfall verursacht hat. Das entscheiden am Ende Versicherungen und im Streitfall ein Gericht. Ähnliche Fotoregeln gelten übrigens beim Mietwagen, mehr dazu in Mietwagen-Schaden dokumentieren.
Häufige Fragen zum Autounfall
Muss ich nach einem Autounfall die Polizei rufen?
Nicht immer. Bei einem klaren Blechschaden, bei dem ihr euch einig seid, könnt ihr den Unfall selbst aufnehmen. Der ADAC empfiehlt die Polizei bei Verletzten, hohem Sachschaden, Streit über den Hergang oder Unfallflucht. Bei Mietwagen und Firmenwagen kann der Vertrag die Polizei vorschreiben.
Darf man einen Unfall fotografieren?
Die Fahrzeuge, Schäden, Spuren und die Unfallstelle darfst du als Beteiligter fotografieren, um Beweise zu sichern, solange du dich und andere nicht gefährdest. Verletzte und Verstorbene fotografierst du nicht: Solche Aufnahmen können nach § 201a StGB strafbar sein. Fotos vom Unfall gehören nie in soziale Medien.
Autounfall ohne Polizei: was tun?
Dann nehmt ihr den Unfall selbst auf. Fotografiert Fahrzeuge, Schäden und die Stelle, tauscht Namen, Anschrift, Kennzeichen und Versicherung aus und füllt gemeinsam den Europäischen Unfallbericht aus. Notiert Zeugen. Unterschreib kein Schuldanerkenntnis und melde den Unfall danach deiner Versicherung.
Wie finde ich die Versicherung des Unfallgegners heraus?
Über den Zentralruf der Autoversicherer. Mit Kennzeichen, Unfalldatum und Unfallland ermittelt er kostenlos die Kfz-Haftpflichtversicherung des Gegners, telefonisch rund um die Uhr unter 0800 250 260 0 oder online. Das hilft auch, wenn der andere seine Daten nicht herausgibt oder weggefahren ist.
Soll ich am Unfallort meine Schuld zugeben?
Nein. Beschreib den Hergang sachlich, aber gib kein Schuldanerkenntnis ab und unterschreib keines. Der ADAC rät aus versicherungsrechtlichen Gründen davon ab. Wer haftet, klären die Versicherungen anhand von Unfallbericht, Fotos und Zeugen.
Was tun, wenn ich keine Fotos gemacht habe?
Dann sichere so schnell wie möglich, was noch da ist: Fotos vom Schaden an deinem Auto, die Unfallstelle, falls Spuren noch sichtbar sind, Namen von Zeugen und eine Skizze aus dem Gedächtnis. Frag auch, ob der Unfallgegner oder die Polizei Fotos gemacht hat. Je früher, desto besser.
Fazit: Nach dem Autounfall erst sichern, dann dokumentieren
Autounfall, was tun, wenn der Kopf gerade nicht mitspielt? Die Schritte sind klar: absichern, helfen, bei Bedarf Polizei rufen, fotografieren, Daten tauschen und der Versicherung melden. Unfallfotos entstehen nur einmal, also nimm dir für Übersicht, Fahrzeuge, Schäden und Spuren ein paar Minuten, sobald alle in Sicherheit sind.
Unterschreib kein Schuldanerkenntnis, heb die Originaldateien auf und lass Beschwerden ärztlich prüfen. Wer so vorgeht, hat später gute Unterlagen, egal ob er Geschädigter oder Verursacher ist. Speicher dir die Foto-Checkliste und die Nummer des Zentralrufs am besten jetzt schon im Handy, dann musst du im Ernstfall nicht nachdenken.
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